Renate Bauer, geb. Vogel, Weltmeisterin, geb. 1955,
Schwimmerin, geflohen 1979
"Nach den Olympischen Spielen 1972 wurde das Training massiv intensiviert, es gab Medikamente und Spritzen. Man hat viel herum experimentiert. Wir waren Versuchskaninchen."
Nach den Olympischen Spielen 1972 wurde im DDR-Frauenschwimmsport nicht nur der Trainingsumfang, sondern auch die medizinische Leistungsmanipulation intensiviert. Die Sportlerinnen erfuhren allerdings nur selten, welche Substanzen ihnen verabreicht wurden. Dopinggerüchte machten die Runde. Als sie bei der EM 1974 als gehandelte Favoritin nur Silber hinter der Westdeutschen Christel Justen erschwamm, fiel sie bei den Sportfunktionären in Ungnade. Der bejubelte Star wurde plötzlich als Versagerin behandelt. Es reifte der Entschluss zur Flucht, allerdings wollte die noch sehr junge Sportlerin zuvor ihre Schulausbildung beenden. Im Jahr 1979 erhielt Renate Vogel von Freunden Geld für ein Flugticket sowie einen bundesdeutschen Pass. Unter falscher Identität bestieg sie bei einem Urlaubsaufenthalt in Budapest ein Flugzeug nach München. Nach ihrer Ankunft war das öffentliche Interesse an ihrer Person sehr groß. Sie berichtete in verschiedenen internationalen Medien nicht nur über die Talentförderung in der DDR, sondern ebenfalls über die dort üblichen Dopingpraktiken. Aus Sorge vor Racheaktionen des SED-Staates musste sie anlässlich eines ORF-Interviews in Wien durch Personenschützer bewacht werden.


