Karin Balzer, geb. Richert, Olympiasiegerin, geb. 1938,
Hürdensprinterin, geflohen 1958
„Nach der Wende habe ich natürlich auch meine Stasiakte öffnen lassen. Und war doch ganz schön entsetzt, dass soviele IM auf mich angesetzt waren, unvorstellbar. Das ist hart und bitter, dass man einfach als Staat auch nicht verzeihen konnte.“
Richert und ihr Trainer und Lebensgefährte Heinz Balzer waren nicht einverstanden mit der vorgezeichneten Laufbahn im Staatssport der DDR. Richert wollte nicht zum SC Dynamo delegiert werden, da dieser wegen der harten Trainingsmethoden berüchtigt war. Am 21.7.1958 setzten sich Richert und Balzer erst nach West-Berlin, dann mit dem Flugzeug nach Ludwigshafen ab. Wenige Tage später erschien die Staatssicherheit in Begleitung von Richerts Vater, um beide zur Umkehr zu bewegen. Nach Drohungen gegen die in der DDR verbliebenen Familien der beiden entschloss sich das Paar zur Rückkehr. In der DDR stellte die SED-Propaganda sie als freiwillige, reumütige Heimkehrer dar. Richert erhielt ein Jahr Wettkampfsperre und blieb in den kommenden Jahren unter Beobachtung von Inoffiziellen Mitarbeitern der Staatssicherheit.


